Wir schützen die Natur und schließen damit Menschen aus. Mit diesem Paradox startet unser Workshop. Dahinter steckt eine Idee, die kaum jemand hinterfragt: Ist Natur etwas, das es ohne uns nicht gäbe. Die Schüler:innen prüfen diese Idee draußen im Park. Die Grenze zwischen „Natur” und „Kultur” lässt sich nicht ziehen. Genau daraus entstehen die Probleme unseres Naturschutzes: Wir idealisieren Natur. Und manchmal bewahren wir sogar Landschaften, die ohne uns gar nicht überleben könnten.
Warum denken wir so? Der Workshop zeigt eine überraschende Antwort: Unser Naturschutz hat eine koloniale Geschichte. Die Idee des Schutzgebiets stammt aus Europa. Mit der Kolonisierung wurde sie in die ganze Welt exportiert und gegen die Menschen dort eingesetzt. Die Vorstellung der „menschenleeren Wildnis” diente als Vorwand: Das Land wurde unter Schutz gestellt. Die Menschen, die dort seit Jahrtausenden lebten, wurden vertrieben. An Stationen arbeiten die Schüler:innen diese Geschichte selbst heraus. Sie fragen: Wer entscheidet heute, was geschützt wird? Wer bleibt draußen? Und warum sind Reservate oft nur eine Scheinlösung. Ein schöner Zaun um eine kaputte Natur? Ein Vorwand für Ausbeutung?
Zum Schluss wendet sich der Blick nach vorn: Wie könnte ein Naturschutz aussehen, der Menschen einschließt statt auszusperren? Die Schüler:innen gehen vom Fußabdruck zum Handabdruck über. Vom „Was nehme ich?” zum „Was gebe ich zurück?”. Jede und jeder überlegt sich eigene Schritte für den Alltag.
Warum das Thema in den Unterricht passt
Der Workshop knüpft an Themen an, die in den Lehrplänen der Klassen 7 bis 10 verankert sind: Geschichte (Kolonialismus und seine Folgen), Geographie (Schutzgebiete, globale Entwicklung, Nord-Süd-Verhältnisse), Ethik (Gerechtigkeit, Verantwortung) und Gemeinschaftskunde (wer entscheidet, wie Politik funktioniert). Im fächerübergreifenden Lernbereich Globale Entwicklung und im BNE-Aktionsplan Sachsen ist die Frage nach Macht, Zugang und Gerechtigkeit eine Leitfrage. Als außerschulischer Lernort in unmittelbarer Naturerfahrung bietet der Walk das, was der Klassenraum nicht kann: Die Schüler:innen erleben Ausschluss, Idealisierung und Gestaltung am konkreten Ort.
Was die Schüler:innen lernen
Erkennen: Sie verstehen, dass Naturschutz kein neutrales Konzept ist, sondern eine koloniale Geschichte hat. Sie erkennen, dass die Trennung von Natur und Kultur gemacht – und veränderbar – ist.
Bewerten: Sie lernen, Schutzkonzepte kritisch zu hinterfragen und Perspektiven zu wechseln: Wer gewinnt, wer verliert? Sie üben, sich ein begründetes eigenes Urteil zu bilden.
Handeln: Sie entwickeln konkrete eigene Handlungsoptionen für einen gerechten Umgang mit der Natur – vom Fußabdruck zum Handabdruck.
Wie fördert der Workshop die BNE Kompetenzen
die Verbindung sehen zwischen einer Idee aus Europa, einem Zaun im Albertpark und vertriebenen Menschen auf anderen Kontinenten.
dieselbe Entscheidung einmal aus Sicht der Naturschutzbehörde und einmal aus Sicht der Betroffenen betrachten.
nicht nur fragen „Was wird geschützt?”, sondern „Wer entscheidet das eigentlich – und warum?”.
aus der Erkenntnis eigene Schritte machen, statt auf andere zu warten.
Wie läuft der Projekttag ab
Am Wildgehege ankommen, die Umgebung bewusst wahrnehmen und die Frage stellen, was hier Natur ist – und was vom Menschen gemacht?
Die Gruppe versucht, im Park eine Grenze zwischen „Natur” und „vom Menschen gemacht” zu ziehen – und scheitert.
Anhand von Fallbeispielen finden die Schüler:innen heraus wie das Narrativ der Wildnis genutzt wurde um Vertreibungen zu rechtfertigen.
Vom Fußabdruck zum Handabdruck übergehen und eigene Schritte für einen gerechteren Umgang mit der Natur formulieren.
Die eigenen Schritte in der Gruppe vorstellen und gemeinsam reflektieren, was sich dadurch verändern kann – im Kopf und im Alltag.
Warum Natur?
Abstand zum Schulalltag erleichtert ehrliche Selbstreflexion und öffnet den Blick für eigene Werte.
Draußen entsteht Zusammenarbeit auf Augenhöhe; soziale Kompetenzen werden gestärkt.
Arbeiten mit Naturmaterialien macht Zukunft begreifbar und motiviert zu nächsten Schritten.
Wer euch begleitet
Ich bin Hanjo Meinhardt – Coach, Facilitator und Naturmensch. In Klassenräumen wie im Grünstreifen erlebe ich, wie Umgebung und Perspektivwechsel Klarheit schaffen. Mein Hintergrund: über acht Jahre Praxis in Coaching & Supervision, ergänzt durch Weiterbildungen zu mentaler Gesundheit, Kommunikation und naturbasierten Formaten. Als Vater weiß ich, wie wertvoll Räume sind, in denen Jugendliche ohne Druck denken und sprechen können.
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